Am 3. Juni 2026 veröffentlichte die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) ein Briefing zu den Konsultationsergebnissen für den Entwurf der Stellungnahme des Ausschusses für sozioökonomische Analyse (SEAC) zum PFAS-Beschränkungsvorschlag. Während der 60-tägigen Konsultationsfrist gingen bei der ECHA insgesamt 3.511 Kommentare von über 3.200 Organisationen und 250 Einzelpersonen ein, wobei die Teilnehmer aus Industrie, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und öffentlichen Einrichtungen stammen. Basierend auf diesem Briefing zu den Konsultationsergebnissen fasst die CIRS Group die folgenden wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Hintergrund
Der PFAS-Beschränkungsvorschlag wurde im Januar 2023 von fünf Ländern – Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden – gemeinsam eingereicht, mit dem Ziel, die PFAS-Emissionen in die Umwelt zu reduzieren. Der Risikobewertungsausschuss (RAC) der ECHA verabschiedete am 2. März 2026 seine endgültige wissenschaftliche Stellungnahme zu dem Vorschlag, während die sozioökonomische Bewertung durch den SEAC aufgrund erheblicher Kontroversen eine zusätzliche 60-tägige öffentliche Konsultation durchlief.
Quellen der Kommentare
In geografischer Hinsicht belegte Deutschland mit über 1.000 Kommentaren den ersten Platz und übertraf damit die anderen Länder deutlich; Japan (ca. 550) und Belgien (ca. 450) folgten dicht dahinter. Auch nordische und osteuropäische Länder wie Finnland, Dänemark und Polen zeigten ein hohes Engagement.
Nach Kommentatoren-Typ waren Unternehmen die absoluten Hauptbeitragenden und machten 61,6 % der Meinungen aus; Branchenverbände stellten 25,9 %, wobei die beiden Kategorien zusammen fast 90 % erreichten. Einzelkommentare machten nur 7,7 % aus, während Nichtregierungsorganisationen (NRO), nationale Behörden und die Wissenschaft 2,4 %, 1,4 % bzw. 0,9 % beitrugen. Diese Struktur zeigt deutlich, dass die Kernkontroversen des PFAS-Beschränkungsvorschlags in seinen Auswirkungen auf die reale Wirtschaft liegen.
Branchenschwerpunkte
Unter den 16 kategorisierten Umfragen entfielen Kommentare zu „allgemeinen Bestimmungen“ auf ganze 45,1 %. Bei branchenspezifischen Umfragen wurde der Bereich Elektronik und Halbleiter mit 12,7 % zur am stärksten beachteten Branche; Anwendungen mit fluorierten Gasen (6,6 %), Energie (6,2 %), Verkehr (6,1 %) und Schmierstoffe (5,3 %) erhielten ebenfalls erhebliches Feedback. Im Gegensatz dazu machten verbrauchernahe Sektoren wie Kosmetik und Skigleitwachs weniger als 0,5 % der Kommentare aus.
Die ECHA stellte fest, dass sich die überwältigende Mehrheit der Meinungen auf sozioökonomische Auswirkungen konzentrierte, darunter die Verfügbarkeit von Alternativtechnologien, die Länge von Übergangsfristen, Compliance-Kosten und potenzielle Auswirkungen auf die globale Wettbewerbsfähigkeit.
Nächste Schritte
Derzeit führt der SEAC eine zeilenweise Bewertung aller eingereichten Unterlagen durch. Der Ausschuss erklärte, dass er die Schlussfolgerungen im Entwurf auf der Grundlage evidenzbasierter Daten bestätigen oder ändern wird und sich bemüht, seine endgültige Stellungnahme bis Ende 2026 zu verabschieden. Zu diesem Zeitpunkt werden die beiden endgültigen Stellungnahmen von RAC und SEAC formell der Europäischen Kommission vorgelegt. Die Europäische Kommission wird auf der Grundlage dieser beiden wissenschaftlichen Bewertungen den endgültigen PFAS-Beschränkungsrechtsakt entwerfen und ihn dem REACH-Ausschuss zur Diskussion und Abstimmung vorlegen.
ChemRadar Einblicke
Derzeit gibt es keine vollständig gleichwertigen Ersatzstoffe für PFAS, insbesondere in zukunftsweisenden Bereichen wie der Halbleiterherstellung (Fotolacke, Ätzgase), neuen Energiebatterien (Bindemittel, Separatorenbeschichtungen) und der Luft- und Raumfahrt (Hochleistungsschmierstoffe). Betroffene Unternehmen sollten umgehend die PFAS-Einsatzszenarien in ihren Produktportfolios erfassen und die Reife von Alternativtechnologien bewerten. Die CIRS Group wird die endgültige SEAC-Stellungnahme Ende 2026 und die anschließenden Entwicklungen der REACH-Ausschussabstimmung genau verfolgen und Unternehmen die neuesten PFAS-bezogenen Informationen bereitstellen.
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