Am 26. Juni 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission den Jahresbericht 2025 des Alert and Cooperation Network (ACN). Der Bericht zeigt, dass das ACN im Jahr 2025 insgesamt 10.490 Meldungen verzeichnete, was einem Anstieg von 11 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Bereich Lebensmittelkontaktmaterialien (FCM) wurden im Jahr 2025 250 Meldungen erfasst, was 2,8 % aller ACN-Meldungen entspricht. Davon betrafen 68,8 % Gesundheitsrisiken und 8 % potenziellen Betrug. Die CIRS Group bietet die folgende Analyse dieses Berichts an.
Hintergrund
Das ACN (Alert and Cooperation Network) ist ein offizieller Rahmen, der von der Europäischen Kommission geleitet wird und einen schnellen Austausch von Informationen zu Lebensmittelsicherheit und Konformität zwischen den Behörden der Mitgliedstaaten sowie die Koordinierung grenzüberschreitender Untersuchungen und Maßnahmen ermöglicht. Seit März 2021 wurden mehrere spezialisierte Netzwerke in ein einheitliches ACN integriert, darunter RASFF (Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel), AAC (Netzwerk für administrative Zusammenarbeit und Unterstützung), FFN (Netzwerk gegen Lebensmittelbetrug) und andere. Die Europäische Kommission fungiert als Verwalter des ACN und bietet den Mitgliedern über die IT-Plattform iRASFF technische Unterstützung für den Echtzeit-Austausch von Meldungen.
Meldungen im Bereich Lebensmittelkontaktmaterialien
Der Bericht zeigt, dass Küchenutensilien und Tafelgeschirr die am stärksten konzentrierten Problemkategorien darstellen und einen Anteil von bis zu 56 % ausmachen, gefolgt von Backprodukten (10 %), Verpackungsmaterialien (8 %) und Silikonprodukten (8 %).

Aus der Perspektive der Problemkategorien stehen über 50 % der Probleme im Zusammenhang mit Migrationsgefahren: Primäre aromatische Amine machen 14 % aus, während Formaldehyd und flüchtige organische Bestandteile jeweils etwa 7 % ausmachen. Darüber hinaus sind auch Rückverfolgbarkeitsmängel (>7,5 %), sensorische Veränderungen, Kennzeichnungsmängel, Melamin und Materialalterung (jeweils etwa 5 %) sowie Blei (4 %) häufige Probleme.
Die verbleibenden 41 % in der Kategorie „Sonstige" decken ein breites Spektrum an Risiken ab, darunter die nicht zugelassene Verwendung pflanzlicher Inhaltsstoffe wie Bambus, Fremdkörper sowie die Metallmigration von Aluminium, Cadmium, Chrom, Mangan, Arsen, Kobalt, Barium und Lithium. Ebenfalls enthalten sind chemische Kontaminanten wie PFAS, Mineralöl und Benzophenon.

Typischer Fall
Der Bericht erwähnt ausdrücklich einen grenzüberschreitenden Risikofall: Am 4. August 2025 meldete Slowenien, dass in China hergestellte dekorative Emaille-Becher Risiken durch Schwermetallmigration einschließlich Blei, Aluminium, Nickel, Barium, Mangan und Kobalt aufwiesen, was eine ernsthafte Gefahr für Verbraucher darstellte. Dieses Produkt wurde über das Vereinigte Königreich in über 20 europäische Länder vertrieben und löste großflächige Produktrückrufe, Vernichtungen und Beschlagnahmungen aus. Nachfolgende Überprüfungen bestätigten, dass bestimmte Varianten (wie solche mit weißen Innenwänden) die Sicherheitsanforderungen erfüllten.
ChemRadar-Einblicke
Unternehmen sollten systematisch die Migrationsprüfberichte für Rohstoffe prüfen, die in Lebensmittelkontaktmaterialien (FCM) verwendet werden, mit besonderem Augenmerk auf Hochrisikokategorien wie Küchenutensilien, Backgeräte und Silikonprodukte; gleichzeitig umfassende Konformitätsprüfungen der Produktkennzeichnung durchführen und Systeme zur Chargen-Rückverfolgbarkeit einrichten und verbessern, um sicherzustellen, dass Produktionsaufzeichnungen, Prüfdaten und Verkehrsinformationen vollständig, genau und überprüfbar sind, um so wirksam auf grenzüberschreitende behördliche Untersuchungen und Meldepflichten reagieren zu können.



